euandi2019 ist eine Online-Wahlhilfe (Voting Advice Application – VAA), die BürgerInnen helfen soll, bei den Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) 2019 eine fundierte Entscheidung zu treffen. Es wurde von WissenschaftlerInnen für die breite Öffentlichkeit entwickelt und zielt ausdrücklich nicht darauf ab, eine politische Partei oder Gruppe von Parteien zu bevorzugen. Beachten Sie auch, dass euandi2019 von jeder interessierten Person, Organisation oder Institution völlig kostenlos genutzt werden kann. Der Code der Software, auf der euandi2019 basiert, wurde ursprünglich von der in Zürich (Schweiz) ansässigen Firma xUpery Ltd. unter dem Namen “Societly” entwickelt. Societly ist eine voll funktionsfähige VAA-Software, die kostenlos unter einer MIT Lizenz auf www.GitHub.com erhältlich ist.

Wie funktioniert euandi2019?
euandi2019 wurde vom European University Institute in Florenz (Italien) in enger Zusammenarbeit mit der Universität Luzern (Schweiz) entwickelt und stellt eine Online-Wahlhilfe dar, mit der sich die WählerInnen einen umfassenden Überblick über den europäischen politischen Raum und ihrer eigene Position darin verschaffen können. Dieser politische Raum wird durch die politischen Positionen der Parteien definiert, die an den Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) 2019 teilnehmen. euandi2019 lädt NutzerInnen ein, sich anhand von 22 politischen Statements zu positionieren, die ein breites Spektrum aktueller politischer Themen und Werte in der europäischen Politik abdecken. BenutzerInnen können sich zu jedem einzelnen politischen Statement positionieren, indem sie ihre Übereinstimmung auf einer standardisierten Fünf-Punkte-Skala angeben. Sie können auch die Bedeutung bestimmter Themen hervorheben, indem sie angeben, für wie wichtig sie jedes Thema für sich persönlich erachten. Das Tool verwendet dann einen mathematischen Algorithmus (siehe Abschnitt zur Methodik), um die von den BenutzerInnen als „sehr wichtig“ gewichteten Positionen stärker und die als „weniger wichtig“ gewichteten Positionen weniger stark einzubeziehen. Das politische Profil der NutzerIn kann sowohl in Bezug auf die politischen Parteien eines bestimmten Landes als auch mit Parteien aus der gesamten Europäischen Union verglichen werden.

Auswahl der Parteien
Das Team von euandi2019 hat bei der Auswahl der Parteien versucht, so umfassend wie möglich zu sein, und der Ausschluss einer Partei wurde nur dann in Betracht gezogen, wenn eine Reihe von Meinungsumfragen nachdrücklich darauf hindeuteten, dass die Partei keinen einzigen Sitz in der Wahl gewinnen würde. Fast jede Partei, die derzeit einen Sitz im EP oder in den nationalen Parlamenten hat und die gemäß den Umfragen mindestens einen Sitz im EP erhalten wird, wurde berücksichtigt. Es sei darauf hingewiesen, dass sich das Team von euandi2019 alle Rechte für die Auswahl der Parteien vorbehält, die in das Tool integriert sind.

Auswahl der Statements
Unser erstes Kriterium war die Suche nach Aussagen, die politisch relevant sind und bei denen es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien gibt. Darüber hinaus wollten wir die Themen, um die es im europäischen Wahlkampf geht, so umfassend wie möglich behandeln. Dazu haben wir die Ergebnisse von Meinungsumfragen, frühere Kodierungen von Parteiprogrammen, ExpertInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen herangezogen – wir haben viele dieser Quellen konsultiert, um herauszufinden, welche Themen bei bisherigen Wahlen wichtig waren, welche Themen aktuell brisant waren und welche Politikbereiche bei diesen EU-Wahlen entscheidend sein würden.

Kodierung der Parteien
Politische Parteien, die bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2019 antreten und vom Team des euandi2019 für die Aufnahme in den Online-Wahlhelfer ausgewählt wurden, erhielten die Möglichkeit, auf die 22 politischen Statements zu reagieren und ihre Selbstpositionierung vorzunehmen. Das Team von euandi2019 identifizierte und kontaktierte die ausgewählten Parteien, die dazu eingeladen wurden, einen Fragebogen auszufüllen und ihre Positionierung durch die Bereitstellung von unterstützendem Material zu belegen. Parallel dazu kodierten die Länderteams die Parteipositionen. Unsere ExpertInnen wurden gebeten, anzugeben, welches Material sie für die Ermittlung der Parteipositionen verwendet haben. Sie wurden aufgefordert, acht Arten von Quellen zu verwenden, die hierarchisch geordnet sind:

1. EU-Wahlprogramm 2019 der nationalen Partei;
2. Grundsatzprogramm der Partei;
3. Aktuelles/letztes nationales Wahlprogramm;
4. EU-Wahlprogramm der Europapartei;
5. Andere programmatische und offizielle Parteidokumentationen;
6. Interviews, Pressemitteilungen und Social Media Kommunikation (Parteichef und Spitzenkandidaten);
7. Ältere Wahlprogramme;
8. Andere Quellen.

Nachdem die Selbstpositionierung der Partei und die Positionierung der ExpertInnen abgeschlossen waren, wurden die beiden Ergebnisse verglichen. Bei Unstimmigkeiten wurde die Partei gebeten, ihre angegebene Positionierung zu belegen, und es wurde eine endgültige Positionierung vorgenommen. Wenn Parteien die Einladung zur Selbstpositionierung ablehnten, kümmerten sich die Länderteams um die Positionierung der Parteien auf Grundlage des verfügbaren Materials. Obwohl die Parteien selbst konsultiert wurden, lag die endgültige Entscheidung über die Positionen immer bei den Länderteams, wodurch das Instrument eine völlige Unparteilichkeit und Unabhängigkeit erhält.

Datenverwendung
Die Kodierung von Tausenden von Parteipositionen zu den 22 Themen für über 250 Parteien ergibt einen umfangreichen Datensatz zu europäischen Parteipositionen. Die Meinungen von Millionen von NutzerInnen werden die größte Datenerhebung über die Wahlen zum Europäischen Parlament, den Parteienwettbewerb und die Einstellungen und Verhaltensweisen der WählerInnen ergänzen. Der Datensatz, einschließlich des Begleitmaterials und der Kodierungsdokumentation, wird in Kürze für WissenschaftlerInnen und die breite Öffentlichkeit frei zugänglich sein. Weitere Informationen zum Umgang mit den Daten finden sie in der entsprechenden Datenschutzerklärung auf dieser Webseite.

Das euandi2019 Team
Die Leitung von euandi2019 teilen sich Dr. Diego Garzia und Prof. Dr. Alexander H. Trechsel (beide von der Universität Luzern, Schweiz und Fellows am EUI). Das gesamte Team besteht aus folgenden Personen:

Dr. Diego Garzia (Projektleiter)
Prof. Dr. Alexander H. Trechsel (Projektleiter)
Dr. Mihkel Solvak, Statistikalabor und Universität Tartu, Estland (Technischer Koordinator)
Ingo Linsenmann, EUI (finanzieller und administrativer Koordinator)
Dr. Lorenzo Cicchi, EUI (wissenschaftlicher Projektkoordinator)
Elena Torta, EUI (Medien- und Öffentlichkeitsarbeitskoordinatorin)
Julia Hiltrop, EUI (administrative support)
Joanna Zofia Wielgo, EUI (administrative and financial support)
Martina Popova, EUI (media and outreach support)
Simone Ottaviano, EUI (tech support)

Das Rückgrat des Projekts bilden 29 Länderteams, darunter über 120 hochqualifizierte und sachkundige SozialwissenschaftlerInnen, DoktorandInnen oder Post-Docs, welche die im Online-Wahlhelfer vertretenen politischen Parteien untersuchen und kodieren.

Euandi2019 wurde ermöglicht durch:

Austria
Carsten Wegscheider
Fabian Habersack
Reinhard Heinisch - Team Co-Leader
Sarah Caroline Dingler
Zoe Lefkofridi - Team Co-Leader

Belgium - Wallonia
Régis Dandoy - Team Leader

Belgium - Flanders
Daan Fonck
Francesca Colli
Yf Reykers - Team Leader

Bulgaria
Boris Popivanov
Elitsa Markova
Trajche Panov - Team Leader

Croatia
Ana Balkovic
Davor Boban
Ivan Obadić - Team Co-Leader
Kristijan Kotarski
Višeslav Raos - Team Co-Leader

Cyprus
Corina Demetriou - Team Leader
Dimitris Trimithiotis
Eleni Evagorou
Nicos Trimikliniotis

Czech Republic
Aleš Kudrnáč
Eva Tomsova
Jaromír Mazák
Lukas Linek - Team Leader
Otto Eibl

Denmark
Andreas Brøgger Albertsen
Caroline Bertram
Caroline Helt Jensen
Jakob Bøggild Johannsen - Team Leader

Estonia
Andres Reiljan - Team Co-Leader
Maarja Saluste
Martin Mölder
Nele Leosk - Team Co-Leader
Risto Conte Keivabu

Finland
Aino Tiihonen
Johannes Lehtinen - Team Leader
Marco Svensson La Rosa
Risto Niemikari
Thomas Karv

France
Aurelie Boursier
Elie Michel - Team Leader
Morgan Le Corre Juratic
Theo Fournier

Germany
Christine Müller
Lucas Schramm
Martin Weinrich
Omran Shroufi
Sophia Hunger
Wiebke Drews - Team Leader

Greece
Anna Kyriazi - Team Co-Leader
Hannah Androulaki-Khan
Natalia Tellidou - Team Co-Leader
Nikolaos Gkotsis Papaioannou
Stefanos Pentaras

Hungary
Anna Kyriazi - Team Leader
Áron József Szászi
Harb Jan Macell
Zalan Jakab

Ireland
James Cross - Team Co-Leader
Maria Laura Sudulich - Team Co-Leader

Italy
Daniela Piccio
Edoardo Bressanelli
Elisa Volpi
Francesco Visconti
Giorgio Malet - Team Leader
Matteo Albanese

Latvia
Diāna Potjomkina
Elīna Grīnhofa
Ieva Bloma - Team Leader
Sintija Broka

Lithuania
Egle Kavoliunaite
Kristina Ambrazeviciute
Petras Ragauskas - Team Leader
Ramūnas Birštonas
Rugilė Trumpytė

Luxembourg
Ioana Turdean
Marc Gori
Marie Halbich
Raphael Kies - Team Leader

Malta
Godfrey Baldacchino – Team Leader

Netherlands
Emma Hoes
Feike Fliervoet
Mathilde van Ditmars - Team Co-Leader
Rutger Birnie - Team Co-Leader
Tom Buitelaar

Poland
Agnieszka Sztajdel
Daniel Platek
Katarzyna Grzybowska-Walecka
Radoslav Michalski
Wojciech Gagatek - Team Leader

Portugal
Frederico Ferreira da Silva - Team Co-Leader
Jorge M. Fernandes
José Santana Pereira - Team Co-Leader
Mariana Mendes
Tiago Silva - Team Co-Leader

Romania
Adrian Matus
Arpad Todor - Team Co-Leader
Claudia Badulescu - Team Co-Leader
Raluca Popp
Toma Burean

Slovakia
Marta Kralikova
Martin Kovanič
Peter Plenta - Team Leader
Radka Vicenová
Tomáš Madleňák

Slovenia
Alem Maksuti
Barbara Možina
Nina Sivec
Simon Delakorda - Team Leader
Tjaša Božič

Spain
Álvaro Canalejo Molero
Mar Cañizares Espadafor
Nerea Gándara Guerra
Pedro Martín Cadenas
Sergi Martinez - Team Leader

Sweden
Amanda Haraldsson - Team Co-Leader
Henrik Ekengren Oscarsson
Linda Berg
Rickard Eksten - Team Co-Leader

United Kingdom
Maria Laura Sudulich - Team Co-Leader
Raluca Popp - Team Co-Leader

An der Entwicklung sind die technischen Partner des Statistikalabor und Mobi Lab in Tartu (Estland) beteiligt. euandi2019 wird auch für die akademische Forschung eingesetzt. Zu den beteiligten ForscherInnen gehören die oben genannten WissenschaftlerInnen sowie Prof. Dr. Guido Schwerdt (Universität Konstanz, Deutschland). euandi2019 ist der zweite Pfeiler eines umfassenderen Projekts für die Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) 2019, das den BürgerInnen hilft, die politische Partei zu finden, die ihren politischen Präferenzen am besten entspricht. Die erste Säule ist spaceeu2019, ein Online-Tool, das speziell auf mobile EU-Bürger zugeschnitten ist, die entweder in dem Land ihrer Staatsbürgerschaft oder ihres Wohnsitzes wählen. Das gesamte Projekt wurde durch das Programm der Europäischen Union für Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft (2014-2020), Fördervereinbarung Nr. 785683, sowie vom Schweizerischen Nationalfonds durch ein Stipendium des Projekts “Towards transnational voting in/for Europe” an der Universität Luzern finanziert.

Contact: vaa@eui.eu